Link verschicken   Drucken
 

Alhierd Baharevic & Ignacy Karpowicz (17.03.2011)

Literatur über Grenzen

Leseabend mit Alhierd Bacharevič und Ignacy Karpowicz

 

Am 17. März 2011 haben wir gemeinsam mit dem Förderverein für das Erich Kästner Museum / Dresdner Literaturbüro e.V., dem Kultur Aktiv e.V., und dem Polnischen Institut Leipzig Aktuelles aus der polnischen und belarussischen Literaturszene präsentiert.

 

Ignacy Karpowicz und Alhierd Bacharevič verbindet die Erfahrung – wenn auch unter sehr unterschiedlichen Umständen – des Fremdseins, ihre Werke die Auseinandersetzung mit dem Ort der Herkunft und der Identität. Umrahmt von Karolina Trybalas Gesang war der Abend eine unterhaltsame Reise durch Mitteleuropa, Lethe und den Kosmos.

 

Ignacy Karpowicz, *1976 in Białystok, Schriftsteller und Übersetzer, wurde im Januar 2011 mit dem renommierten polnischen Literaturpreis „Paszport Polityki“ ausgezeichnet. Neben seiner Autorentätigkeit arbeitet Karpowicz als Übersetzer aus dem Englischen, dem Spanischen und dem Amharischen. Er lebte unter anderem in Costa Rica und Äthiopien. Mit seiner Übersetzerin Katharina Kowarczyk stellt er den Roman „Gesty“ [Gesten] vor.

 

„Gesty“ ist eine aus der Ich-Perspektive verfasste Erzählung über den 40jährigen Theaterregisseur Grzegorz Warzyna. Äußere Umstände sowie ein innerliches Bedürfnis veranlassen ihn dazu, sein erfolgreiches, jedoch unbefriedigendes Leben in Warschau für eine Weile aufzugeben und in sein Heimatdorf im äußersten Nordosten Polens zurückzukehren. In stark assoziativer und verschachtelter Form beschreibt der Autor Vergangenheit und Gegenwart der Hauptperson, wobei das Ineinandergreifen von vergangenen und gegenwärtigen Erlebnissen eine präzise, psychologische Darstellung über die Frage der eigenen Identität ergibt.

 

Alhierd Bacharevič, *1975 in Minsk, lebt seit 2007 in Hamburg. Im Herbst 2010 erschien im Leipziger Literaturverlag sein Roman „Die Elster auf dem Galgen“, den er zusammen mit Übersetzer Thomas Weiler präsentiert – eine rare Botschaft aus der belarussischen Literaturwelt.

 

In der „Elster auf dem Galgen“ begibt sich der Ich-Erzähler ins freiwillige Exil einer (auffällig an Hamburg erinnernden) „nördlichen Hafenstadt“. Er blickt mit Abstand zurück auf sein Land und die Hauptfigur Vieranika, die Bacharevič als eher schlichtes Durchschnittsgemüt in einem (teilweise auffällig an Belarus erinnernden) autoritären Staat präsentiert. Beengte Wohnverhältnisse, Pionierlagergeschichten, pubertierende Jungs, triste Studienjahre und Fluchten in virtuelle Welten – in Vieranika dürften sich viele Minskerinnen wiederfinden, vielleicht wehmütig, vielleicht auch unangenehm berührt. Die junge Frau gerät an eine Stelle in der Bezirksabteilung des staatlichen Sicherheitsdienstes und ist dem Regime treu zu Diensten. An ihrer unreflektierten Systemgläubigkeit zerbricht die Beziehung zu ihrem Freund, dem Ich-Erzähler, und der Plot steuert auf ein dramatisches Finale zu, das schon im ersten Satz des Romans eingeleitet wird: „In circa fünf Minuten ist sie tot.“ (http://www.novinki.de/html/gegengelesen/Rezension_Bacharevic.html)


 

Karolina Trybala, *1979 in Polen, lebt seit 1994 in Deutschland und studierte Gesang an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Gemeinsam mit Olga Nowikow (Piano) präsentiert sie

Jazzkompositionen und Chansons, die den literarischen Abend schwungvoll ergänzen.

 

Karolina Trybala

 


 

[alle Schnappschüsse anzeigen]